Dr. Johanna Buß

Studium und Qualifikationen
2006
Dr. phil., Klass. Indologie, Südasieninstitut Universität Heidelberg, Titel der Dissertation: Preta, Pitṛ und Piśāca. Rituelle und mythische Totenbilder im Pretakalpa des Garuḍapurāṇa, dem Garuḍapurāṇasāroddhāra und der Pretamañjarī
1998
M.A. (Fächer Indologie, Deutsche Philologie, Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Universität Göttingen), Titel der Magisterarbeit: Die Wiederbelebung des Buddhismus südasiatischer Prägung in Indien seit dem Tode von B.R. Ambedkar
Stipendien und Positionen
04/2021– Vertretungsprofessorin (Lehrstuhl „Sprachen und Kulturen des neuzeitlichen Südasiens“), Universität Halle-Wittenberg
04/2019–
03/2021
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Indologie und Zentralasienwissen-schaften an der Universität Leipzig
WS 2018/19
SS 2020
SS 2021
Lektorin an der Universität Graz (Institut für Religionswissenschaft)
09/2012–
08/2018
Universitätsassistentin am Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde, Universität Wien
07/2007–
06/2011
Universitätsassistentin am Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde, Universität Wien
07/2005–
12/2005
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Klass. Indologie, Südasien-Institut, Universität Heidelberg
10/2003–
06/2005
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Sonderforschungsbereich 619 „Ritualdynamik“, Universität Heidelberg
9/2001–
08/2003
Stipendium Graduiertenkolleg „Religion und Normativität“, Universität Heidelberg

Mitgliedschaften

— Deutsche Gesellschaft für Asienkunde (DGA)
— Deutsche Morgenländische Gesellschaft (DMG)
— Deutsche Vereinigung für Religionswissenschaft (DVRW)
— European Association for South Asian Studies (EASAS)
— Österreichische Gesellschaft für Religionswissenschaft (ÖGRW)
— Sammlung De Nobili – Arbeitsgemeinschaft für Indologie und Religionsforschung (Vorstandsmitglied)

Laufende Projekte 

1. Hinduismus vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwert. Kontinuität, Revitalisierung und Reform (im Rahmen der Neuauflage der Kohlhammer-Reihe „Religionen der Menschheit“)
    In dem Überblickswerk geht es im Wesentlichen um die Auseinandersetzung hinduistischer Denker mit europäischen Ideen seit dem 19 Jh., sowie in kleinerem Rahmen die Rückwirkung dieser geistigen Auseinandersetzung auf Europa. Das heutige Alltagsverständnis vom Hinduismus ist ebenso wie der Religionsbegriff in vielerlei Hinsicht ein Kind dieser Zeit. Der Nachvollzug dieser Begriffsbildung anhand eines geistesgeschichtlichen Bogens bildet den theoretischen Rahmen des Buches. Die hinduistischen Reformbewegungen als auch Retraditionalisierungstendenzen sowie die Querverbindungen zum entstehenden Hindu-Nationalismus werden dabei eingehend betrachtet.

 

2. Digitale Medienentwicklung und Öffentlichkeit am Beispiel des Ethnizitätsdiskurses in Nepal

    Nepal unterliegt seit den 1990er Jahren einem tiefgreifenden soziopolitischen Wandel. Dies betrifft in besonderem Maße auch die Medienlandschaft. Die nepalischen Massenmedien haben sich sowohl quantitativ als auch qualitativ seit der Verabschiedung der Verfassung von 1990 und der darin garantierten Presse- und Meinungsfreiheit enorm weiterentwickelt. Diese Rechte haben in der demokratischen Verfassung von 2015 noch einmal einen neuen Rahmen erhalten. Im politischen Kontext spielen die Massenmedien seither eine wichtige Rolle. Im Zusammenhang mit der Neuetablierung einer säkularen, demokratischen Ordnung und der Umstrukturierung Nepals in eine föderale Gliederung steht die Frage nach ethnischen Identitäten und Rechten im Zentrum der Debatten. Die seither schwelenden Konflikte trugen zum Ausbruch des Bürgerkrieges 1996-2006 und der Revolution bei und sorgten im Rahmen der Erstellung der neuen Verfassung für langwierige Entscheidungsprozesse.

    In meinem Projekt untersuche ich, wie sich der nepalische Ethnizitätsdiskurs in der sich verändernden politischen Öffentlichkeit entwickelt hat. In denselben Zeitraum fällt in Nepal außerdem die rasante Entwicklung der Massenmedien bis zur Digitalisierung, wodurch eine Entwicklung, die in Europa Jahrhunderte gebraucht hat, in Zeitraffer vor sich geht und daher eine gute Möglichkeit bietet, die Verschränkung von Digitalisierung, Demokratisierung und Etablierung einer neuen, stärker aus dem Ausland mitbestimmten Öffentlichkeit zu analysieren. Eine wichtige medientheoretische Ebene bilden in dem Projekt außerdem Überlegungen zur Auswirkung von Mediatisierung und Medienkonvergenz.

Abgeschlossene Projekte

Dissertation: Pitṛ, Preta und Piśaca. Rituelle und mythische Totenbilder im Pretakalpa des Garuḍa-purāṇa, dem Garuḍapurāṇasāroddhara und der Pretamañjarī
(https://doi.org/10.11588/heidok.00011546)
    Diese Arbeit untersucht hinduistische Vorstellungen von Toten, Geistern und Ahnen im Zeitraum vom Sterben eines Menschen bis zu einem Jahr nach dem Tod. In der Dissertation werden diese zum Teil sehr gegensätzlich erscheinenden rituellen und mythologischen Konzeptionen nachtodlicher Existenzen untersucht, eingeordnet und voneinander abgegrenzt. Dabei wird auch aufgezeigt, wie sich karman- und Wiedergeburtslehren zu der gegensätzlichen Annahme eines Vorväterhimmels und einer dauerhaften jenseitigen Existenz der Ahnen bzw. zu der Vorstellung einer Jenseitsreise und der Tatvergeltung in Himmel und Hölle verhalten. Das dynamische Sozialgefüge von Lebenden und Toten wird sowohl in den mythologischen Passagen als auch in den Ritualanweisungen in Form von verschiedenen Zuständen des Verstorbenen ausgedrückt, die sich in drei Hauptgruppen zusammenfassen lassen. Diese sind als erstes der Verstorbene (preta), der dauerhaft unbefriedete Totengeist (piśāca) und der Vorvater (pitṛ). Die Einordnung dieser als „Totenbilder“ gefassten Vorstellungen erfolgt anhand der Bestimmung von Ritual und Mythos als zwei verschiedenen Symbolsystemen, die die Beziehung zwischen Lebenden und Toten beziehungsweise zwischen Lebenden und Ahnen in ihrer je eigenen Weise umsetzen. Den Abschluss der Dissertation bildet die kommentierte Erstübersetzung der Pretamañjarī mit einer Transliteration des übersetzten Sanskrittexts.

Planung und Organisation von Tagungen und Summer Schools

2018 (mit Cristina Pecchia, ÖAW, und Alaka Chudal, ISTB): „Manuscript, Print and Publication Cul-tures in South Asia. From the 19th Century to the Present, 20.-21. September, Veranstalter Institut für Südasien-, Tibet und Buddhismuskunde der Universität Wien und das Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der Österr. Akademie der Wiss.
2017
(mit Karin Preisendanz und Marion Rastelli): „Cultures of Knowledge in Mutual Encounter. Scholars between India and Europe from Early Modernity to the Present”, 6.-7. Juli, veranstaltet von der Sammlung De Nobili, Arbeitsgemeinschaft für Religionsforschung, Wien.
2016 
Tagung „Nepal-Workshop: Aktuelle kulturwissenschaftliche Projekte und Positionen“, Uni Wien, Veranstalter ISTB gemeinsam mit CIRDIS, Heidelberger Akademie der Wissenschaften (06.-07.05.)
2015
Symposion „Konfliktfeld Religion(en)“ (in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsgruppe der ÖGRW), 01. und 02.12.2015
2013, 2010
Zweite (09.-21.09.2013) bzw. erste (30.08.-10.09.2010) „Newari Summer School“ in Wien 
2010
Internationaler Workshop: „Public Sphere and Printmedia in Nepal“, Universität Wien (24.-26.06.)
2005
(mit Gregor Ahn, Oliver Krüger und Kristin Marek) Internationales Symposion „Dead Bodies: Presentation and Re-Presentation“ des Sonderforschungsbereichs „Ritualdynamik“ der Universität Heidelberg (08.-10.12.)
Vorträge
2018
„Vom Heidentum zur universalen Lebensart. Eine Skizze zur Begriffsgeschichte des Hinduismus“, Universität Leipzig, Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften (09.01.)

„Impact of Digitalization on Nepal’s Newspapers“, Vortrag auf dem internationalen Symposium Manuscript, Print and Publication Cultures in South Asia. From the 19th Century to the Present, 20.-21. September, veranstaltet vom Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde der Universität Wien und dem IKGA der ÖAW.
2017
„Die Seele wird nicht getötet, wenn man den Körper erschlägt“  – Von rechter und unrechter Gewalt im Hinduismus“, Ringvorlesung „Religion und Gewalt“, Institut für Religionswissenschaft, Universität Graz (09.11.)

2016
(mit Xenia Zeiler) Panel 27. „Hinduism in the Digital Age“, EASR (European Association for the Study of Religion) Relocating Religion, in Helsinki (29.06.).

„Nepali Hinduism and Globalization“, Panel 27. „Hinduism in the Digital Age“, EASR (European Association for the Study of Religion) Relocating Religion, in Helsinki (29.06.).

„Eine Nation der Minderheiten – der Ethnizitätsdiskurs in Nepal“ im Institutskolloquium des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien „Diskurse und Repräsentationen“ (27.10.).
2015
Von wahren und falschen Religionen. B. R. Ambedkars Buddhismusinterpretation“, Symposion Konfliktfeld Religion(en), Österr. Gesell. f. Religionswissenschaft, Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde und Institut für Religionswissenschaft der Universität Wien (02.12.)

„Debates of Secularism in Nepali Papers and Blogs“, XXI IAHR World Congress 2015 in Erfurt (24.08)

„The Visualisation of karman as Bodily and Environmental Qualities in Hindu Death Rituals and Mythology“, XXI IAHR World Congress 2015 in Erfurt (25.08.)
2014
„Säkularismus-Debatten in nepalischen Tageszeitungen und Blogs“, Vortrag am Institut für Indologie und Zentralasienwissenschaften, Universität Leipzig (23.10.)

„Ethnicity and National Identity in Nepali Dailies and the Blogosphere“, 23rd European Conference on South Asian Studies in Zürich (23.-26.07.)
2013
„Ethnizität und nationale Identität im Spiegel der nepalischen Tagespresse“, 32. Deutscher Orientalistentag in Münster, Panel-Organisatorin (mit Xenia Zeiler): „Mediatisierung religiöser und ethnischer Identität in Südasien“, (23.-27.09.)

“The Debate on the Politicization of the Pashupatinath-Row in Nepali Dailies and the Blog-osphere”, ICAS 8 in Macao (24.-27.06.)

“The Appropriation of Buddhism by Ambedkar and the Dalit Movement”, Buddhist and Jaina Studies Conference in Lumbini (Nepal), Organisator: Lumbini International Research Institute (12.-15.02.)
2012
”The Debate on the Politicization of the Pashupatinath Controversy in Nepali Dailies and the Blogosphere”, The Creation of Public Meaning during Nepal’s Democratic Transition, workshop am SOAS, University of London: (04.-05.07.)
2010
“Ethnicity in Nepali dailies“, Internationaler Workshop: Printmedia in Nepal, ISTB, Universität Wien (25.06.)
2009
„Trauer- und Totenrituale in den Weltreligionen“, Vortragsreihe "Tod und Sterben im Buddhismus", Zentrum für Buddhismuskunde, Universität Hamburg (20.10.)

„Printmedien in Nepal“, Workshop Printmedien in Südasien – Aktuelle Situationen und Perspektiven, in Berlin bei den Asia-Pazifik-Wochen, HU Berlin (15.10.)

“Nation-Building and Print-media in Nepal”, Seminar Medien- und Kommunikationssektor in den SAARC-Ländern, Organisator: Arbeitskreis afrikanisch-asiatischer Akademikerinnen und Akademiker, Göttingen (10.10.)

„Language and Ethnicity in Nepali Newspapers“, International Conference, Dept. of Sanskrit and Prakrit Languages, Univ. of Pune (India): Language and Identity (15.-17.09)
2008
„Macht, Medien und Maoisten. Demokratisierung und Medien in Nepal", KulturWissenschaftsPicknick, Universität Wien (10.08.)

„Food and Body in Hindu Death Rituals“, Internationale Konferenz, Universität Heidelberg: Ritual Dynamics and the Science of Ritual (29.09.-02.10.)

„Print-media and Nation-’rebuilding’: A Case Study of Nepal“, European Conference on Modern South Asian Studies, University of Manchester (08.-11.07.)
2005
„Mythical and Ritual Bodies in Hindu Death Ritual“, Internationales Symposion des SFB 619 „Ritualdynamik”, Universität Heidelberg: Dead Bodies: Presentation and Re-Presentation (08.-10.12.)

Ko-Referat zu Kristin Marek’s Paper „Politik des heiligen Königs“, Jahrestagung des SFB 619 „Ritualdynamik”, Universität Heidelberg: Prozessionen zwischen Religion und Politik (17.-19.02.)
2004
„Continuity of Ritual Tradition: the Sixteen śrāddha-s “. Conference of the University of Lund: Ritual Practices in Indian Religions and Contexts (09.-11.12.)

„Ritualtradition und Ritualpraxis am Beispiel des newarischen latya-Rituals (sapiṇḍīkaraṇa)“, 29. Deutscher Orientalistentag in Halle (20.-24.09.)

„Greedy Ghost or Adored Ancestor? The ‚Double Life’ of the Deceased as Indicated in a Newar Death Ritual“, Internationales Symposion des SFB 619 „Ritualdynamik”, Universität Heidelberg: Rituals of Mourning in Different Cultures (24.-27.05.)


Publikationen (Auswahl)